Rechtliches

Steuersätze in Deutschland: Worauf Du achten musst

Matthias Hauer
Von Matthias Hauer | Zuletzt aktualisiert: 10.6.2021
Welche Steuern sind wichtig in Deutschland?

Was bedeutet Mehrwertsteuer, Umsatzsteuer und Vorsteuer für Unternehmer? Wir erklären die Begriffe und fassen die aktuell geltenden Steuersätze in Deutschland zusammen und gehen auf die Mehrwertsteuersenkung als Corona-Maßnahme ein. So kannst Du Deine Preise korrekt kalkulieren.

Was ist ein Steuersatz?

Ein Steuersatz ist der prozentuale Anteil eines Wertes, der als Steuer erhoben wird. Für jeden Steuersatz gilt dabei eine Bemessungsgrundlage, mit deren Hilfe dieser Prozentanteil ermittelt wird. Der dann erhobene Steuersatz gibt damit nicht nur Auskunft für den steuerlichen Anteil des Staates, sondern auch über die Belastung des Steuerzahlers. Dabei gibt es natürlich ganz unterschiedliche Steuern, die entweder ein bestimmtes Rechtssubjekt (z.B. bei der Körperschaftssteuer) oder einen wirtschaftlichen Vorgang (z.B. bei der Umsatzsteuer) zur Besteuerung heranziehen. Grundlage für die Erhebung jeder Steuer ist ein eigenes Gesetz. Für Unternehmen haben Steuern einen wesentlichen Einfluss auf Preisgestaltung und Ertrag.

Auf Rechnungen - oder einem Kassenbon - müssen fällige Steuern immer angegeben werden, sie gehören zu den gesetzlichen Pflichtangaben. 

Welche Steuersätze werden bei welcher Steuer fällig?

Die bekanntesten Steuern mit eindeutigen Steuersätzen sind:

  • Einkommenssteuer
  • Erbschaftssteuer, bzw. Schenkungssteuer
  • Umsatzsteuer (bekannter als Mehrwertsteuer)
  • Gewerbesteuer
  • Körperschaftssteuer

Für jede der genannten Steuern gibt es eine eigene gesetzliche Grundlage, die nicht nur Auskunft über den jeweiligen Steuersatz gibt, sondern auch über seine jeweilige Bemessungsgrundlage. 

Für Privatpersonen: Was gilt bei der Einkommenssteuer?

Einkommenssteuer wird -der Name ist Programm- auf das Einkommen natürlicher Personen erhoben, aber auch die vom Arbeitgeber abgeführte Lohnsteuer wird hier mit angerechnet. Für Privatpersonen gilt: Die Höhe der Einkommenssteuer hängt von der Höhe des Einkommens im Kalenderjahr ab - ganz gleich, ob es sich um Einnahmen aus selbständiger oder angestellter Tätigkeit handelt. Dabei gilt das Progressionsprinzip: Je höher die Einnahmen des Besteuerten, desto höher ist auch sein Einkommenssteuersatz. Dabei werden alle nur denkbaren Einnahmequellen zur steuerlichen Berücksichtigung herangezogen, etwa Einnahmen aus Verkauf und Gewerbe, Vermietung und / oder Verpachtung, Einnahmen aus Kapitalvermögen (Zinsen, Dividenden) oder Land- und Forstwirtschaft. Gesetzliche Grundlage der Einkommenssteuer ist das Einkommenssteuergesetz. 

Für Privatpersonen: Was gilt bei Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer?

Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer werden immer dann fällig, wenn eine natürliche Person ein Erbe antritt, eine Schenkung erhält oder in einer ähnlichen Konstellation einen Zuwachs seines Vermögens erfährt (etwa bei einem sog. Vorerbe). Die Höhe der Steuer richtet sich dabei nicht nur nach dem Wert der übereigneten Vermögensgegenstände, sondern auch nach dem persönlichen Verhältnis, bzw. Verwandtschaftsgrad zwischen Erblasser und Erbe, bzw. Schenkendem und Beschenktem. Allerdings gelten in Deutschland dabei feste Freibetragsgrenzen, unterhalb deren Wert keine Steuer fällig wird. Alles darüber hinausgehende zu besteuernde Vermögen wird stufenweise zwischen 7 und 50 Prozent besteuert. Gesetzliche Grundlage der Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer ist das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz.


Für Privatpersonen und Unternehmen: Was gilt bei der Umsatzsteuer?
 

Welche Steuersätze gelten in Deutschland?

Der Normalsteuersatz beträgt in Deutschland 19% des Waren- bzw. Leistungswerts. Der ermäßigte Steuersatz beträgt 7%. Für spezielle Fälle gibt es noch zwei weitere Steuersätze in Deutschland. Welchen Steuersatz wann angewendet wird, hat das Bundesfinanzministerium im Umsatzsteuer-Anwendungserlass festgelegt; außerdem kann Dich Dein Steuerberater dazu beraten oder Du ordnest Deine Produkte und Leistungen nach Vorgabe ein:

Die Umsatzsteuer ist in Deutschland im Leistungsverhältnis zwischen Kunde und Unternehmen (im Gegensatz zum Leistungsverhältnis zwischen zwei Unternehmen) üblicherweise schon im Preis inbegriffen.

Teils wieder gekippt: Mehrwertsteuersenkung & Corona-Steuerhilfegesetz

Um die Umsatzverluste durch die Corona-Krise auszugleichen, beschloss die Bundesregierung eine Senkung der Mehrwertsteuer von Juli 2020 bis zum Jahresende 2020. Die Nachfrage von Konsumenten auf Waren und Dienstleistungen hätte durch die reduzierten Preise gesteigert werden sollen. Ob die Steuersenkung den Preis für Konsumenten beeinflusste, lag dabei in der Hand der Unternehmer.

Doch der geplante Wirtschaftsaufschwung ließ auf sich warten, da die Mehrwertsteuersenkung für Konsumenten bei kleinen Beträgen kaum zu spüren war und mit größeren Anschaffungen lieber gewartet wurde. Stattdessen entgingen dem Finanzamt und somit: dem Staat 20 Mrd. Steuergelder.

So wurde im Dezember 2020 beschlossen, die Mehrwertsteuersenkung nicht zu verlängern. Mit dem 1. Januar 2021 wurde für den Handel wieder auf die ursprünglichen Steuersätze umgestellt: Es gilt der reguläre Steuersatz von 19% und der ermäßigte Steuersatz von 7%.

Ausnahmeregelung für die Gastronomie 

Der befristete ermäßigte Steuersatz von 5% endete mit dem 31. Dezember 2020.

Ab dem 01. Januar 2021 gilt für alle Speisen der ermäßigte Steuersatz von 7% (befristet bis zum 31. Dezember 2022). Der Steuersatz für Take-Away ist somit derselbe wie für Speisen, die vor Ort verzehrt werden – so soll der wirtschaftliche Schaden durch die Pandemie begrenzt werden.

So sieht die Regelung in der Übersicht aus:

MwSt.-Regelung vom 1. Januar 2021 bis 31. Dezember 2022

  • Verkauf von Speisen zum Verzehr vor Ort: 7% (ermäßigt)
  • Verkauf von Speisen für Take-Away: 7%(ermäßigt)
  • Verkauf von Getränken: 19% (regulär)

Ab 1. Januar 2023:

  • Verkauf von Speisen zum Verzehr vor Ort: 19%
  • Verkauf von Speisen für Take-Away: 7% (ermäßigt)
  • Verkauf von Getränken: 19% (regulär)

Achtung bei Ausnahmefälle im Bereich Getränke: Latte Macchiato z. B. besteht zu 75% aus Milch, welche als Grundnahrungsmittel mit 7% besteuert wird. Somit gilt für den Latte Macchiato die Mehrwertsteuer von 7%, unabhängig davon, ob er im Haus oder außerhalb konsumiert wird. 

Zusätzliche Unterstützung in der Krise

Neben der Mehrwertsteuersenkung gibt es weitere steuerliche Erleichterungen und finanzielle Hilfen für betroffene Betriebe. Wir haben alle Informationen zur Überbrückungshilfe III und den individuellen Hilfsprogrammen der einzelnen Bundesländer zusammengestellt.

Matthias Hauer

Matthias Hauer

Produktmanager Compliance

Als Produktmanager bei ready2order legt Matthias den Fokus auf Compliance. Er stellt sicher, dass in unserer Software sämtliche rechtlichen Anforderungen berücksichtigt werden und das Zusammenspiel mit der Buchhaltung funktioniert. Ob RKSV in Österreich, oder GoBD, TSE und DSFinV-K in Deutschland - Matthias behält als ausgebildeter Steuerberater den Überblick. Wenn er nicht gerade mit rechtlichen Themen beschäftigt ist, verbringt er seine Zeit gerne in den Bergen und macht Sport.

Haftungsausschluss: Unsere Beiträge stellen ausschließlich unverbindliche Informationen ohne Gewähr auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität dar. Es handelt sich dabei um keine Rechts- oder Steuerberatung und erhebt keinesfalls den Anspruch, eine solche darzustellen oder zu ersetzen.

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