Rechtliches

Steuersätze: Worauf Du achten musst und was sich jetzt ändert

Von Matthias Hauer | Zuletzt aktualisiert: 5.3.2021

Was bedeutet Mehrwertsteuer, Umsatzsteuer und Vorsteuer für Unternehmer? Wir erklären die Begriffe und fassen die aktuell geltenden Steuersätze zusammen und gehen auf die Mehrwertsteuersenkung des Corona-Steuerhilfegesetzes ein. So kannst Du Deine Preise korrekt kalkulieren.

Steuerliche Grundbegriffe

  • Mehrwertsteuer: Die Mehrwertsteuer ist ein Begriff, der heute umgangssprachlich anstelle von Umsatzsteuer verwendet wird. Tatsächlich bedeuten beide Begriffe das gleiche, und sind auch untereinander – zumindest umgangssprachlich – austauschbar.
  • Umsatzsteuer: Als Umsatzsteuer bezeichnet man die Steuer, die für einen Kunden oder Dienstleistungsnehmer im Kaufpreis inkludiert wird und auf den Rechnungen separat ausgewiesen werden muss. Grundsätzlich gilt, dass der Endverbraucher diese bezahlt. Die Umsatzsteuer gilt in Deutschland laut § 1 Abs 1 UStG grundsätzlich für alle Leistungen, welche ein Unternehmen (oder eine selbständige Person) in Deutschland gegen Entgelt erbringen. Auch der Verkauf von Waren gilt als erbrachte Leistung.
  • Vorsteuer: Die Vorsteuer wird von Unternehmen bezahlt, wenn sie selbst Waren und Dienstleistungen einkaufen oder beanspruchen. Obwohl auf der Rechnung hier auch von der Umsatzsteuer die Rede sein kann, gilt diese aus der Sicht des kaufenden Unternehmers als Vorsteuer, und kann von ihm bei der Steuererklärung vom Finanzamt zurückgeholt werden. 

Somit sprechen wir bei Umsatzsteuer und Vorsteuer von der gleichen Steuer, allerdings aus zwei verschiedenen Sichtweisen: Wenn Unternehmer von ihren eigenen Ausgaben sprechen, ist die Vorsteuer gemeint – wenn sie von ihrem Umsatz sprechen, dann ist die Umsatzsteuer gemeint.

Welche Steuersätze gelten in Deutschland?

Der Normalsteuersatz beträgt in Deutschland 19% des Waren- bzw. Leistungswerts. Der ermäßigte Steuersatz beträgt 7%. Für spezielle Fälle gibt es noch zwei weitere Steuersätze. Welchen Steuersatz wann angewendet wird, hat das Bundesfinanzministerium im Umsatzsteuer-Anwendungserlass festgelegt; außerdem kann Dich Dein Steuerberater dazu beraten oder Du ordnest Deine Produkte und Leistungen nach Vorgabe ein:

Die Umsatzsteuer ist in Deutschland im Leistungsverhältnis zwischen Kunde und Unternehmen (im Gegensatz zum Leistungsverhältnis zwischen zwei Unternehmen) üblicherweise schon im Preis inbegriffen.

Teils wieder gekippt: Mehrwertsteuersenkung & Corona-Steuerhilfegesetz

Um die Umsatzverluste durch die Corona-Krise auszugleichen, beschloss die Bundesregierung eine Senkung der Mehrwertsteuer von Juli 2020 bis zum Jahresende 2020. Die Nachfrage von Konsumenten auf Waren und Dienstleistungen hätte durch die reduzierten Preise gesteigert werden sollen. Ob die Steuersenkung den Preis für Konsumenten beeinflusste, lag dabei in der Hand der Unternehmer.

Doch der geplante Wirtschaftsaufschwung ließ auf sich warten, da die Mehrwertsteuersenkung für Konsumenten bei kleinen Beträgen kaum zu spüren war und mit größeren Anschaffungen lieber gewartet wurde. Stattdessen entgingen dem Staat 20 Mrd. Steuergelder.

So wurde im Dezember 2020 beschlossen, die Mehrwertsteuersenkung nicht zu verlängern. Mit dem 1. Januar 2021 wurde für den Handel wieder auf die ursprünglichen Steuersätze umgestellt: Es gilt der reguläre Steuersatz von 19% und der ermäßigte Steuersatz von 7%.

Ausnahmeregelung für die Gastronomie 

Der befristete ermäßigte Steuersatz von 5% endete mit dem 31. Dezember 2020.

Ab dem 01. Januar 2021 gilt für alle Speisen der ermäßigte Steuersatz von 7% (befristet bis zum 31. Dezember 2022). Der Steuersatz für Take-Away ist somit derselbe wie für Speisen, die vor Ort verzehrt werden – so soll der wirtschaftliche Schaden durch die Pandemie begrenzt werden.

So sieht die Regelung in der Übersicht aus:

MwSt.-Regelung vom 1. Januar 2021 bis 31. Dezember 2022

  • Verkauf von Speisen zum Verzehr vor Ort: 7% (ermäßigt)
  • Verkauf von Speisen für Take-Away: 7%(ermäßigt)
  • Verkauf von Getränken: 19% (regulär)

Ab 1. Januar 2023:

  • Verkauf von Speisen zum Verzehr vor Ort: 19%
  • Verkauf von Speisen für Take-Away: 7% (ermäßigt)
  • Verkauf von Getränken: 19% (regulär)

Achtung bei Ausnahmefälle im Bereich Getränke: Latte Macchiato z. B. besteht zu 75% aus Milch, welche als Grundnahrungsmittel mit 7% besteuert wird. Somit gilt für den Latte Macchiato die Mehrwertsteuer von 7%, unabhängig davon, ob er im Haus oder außerhalb konsumiert wird. 

Zusätzliche Unterstützung in der Krise

Neben der Mehrwertsteuersenkung gibt es weitere steuerliche Erleichterungen und finanzielle Hilfen für betroffene Betriebe. Wir haben alle Informationen zur Überbrückungshilfe III und den individuellen Hilfsprogrammen der einzelnen Bundesländer zusammengestellt.

Haftungsauschluss: Trotz sorgfältiger Prüfung und Ausarbeitung der Materie erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Bei weiteren Fragen zu Steuern und Steuersätzen wende dich bitte an deinen Steuerberater. Bei allen personenbezogenen Bezeichnungen gilt die gewählte Form für beide Geschlechter.

Matthias Hauer

Produktmanager Compliance

Als Produktmanager bei ready2order legt Matthias den Fokus auf Compliance. Er stellt sicher, dass in unserer Software sämtliche rechtlichen Anforderungen berücksichtigt werden und das Zusammenspiel mit der Buchhaltung funktioniert. Ob RKSV in Österreich, oder GoBD, TSE und DSFinV-K in Deutschland - Matthias behält als ausgebildeter Steuerberater den Überblick. Wenn er nicht gerade mit rechtlichen Themen beschäftigt ist, verbringt er seine Zeit gerne in den Bergen und macht Sport.