Gründung

Als Handwerker selbstständig machen? Das musst Du wissen

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Von Sabine Amler | Zuletzt aktualisiert: 1.23.2023
Tischlerin im Betrieb

Handwerker sind begehrt – und gerade im Baugewerbe sind die meisten Auftragsbücher übervoll. Die Branche hat also Zukunft: Wir fassen zusammen, was Du beachten musst, wenn Du Dich mit einem der reglementierten Gewerbe selbstständig machen willst.

Vorteile und Nachteile der Selbstständigkeit im Handwerk

Handwerk hat goldenen Boden – so sagt man gern. Aber wie bei allen Tätigkeiten gibt es Vor- und Nachteile bei der Selbstständigkeit.

Vorteile 

  • Leidenschaft: Wer als Handwerker:in selbstständig wird, sollte eine gewisse Liebe zum Beruf mitbringen.
  • Unabhängigkeit: Selbstständig bist Du Dein eigener Chef und kannst in der Regel selbst bestimmen, welche Aufträge Du annimmst.
  • Abwechslung: Neue Entwicklungen, neue Kunden, neue Herausforderungen – als Selbstständige:r bleibst Du immer in Bewegung. Auch mit Weiterbildungen kannst Du dafür sorgen, dass Deine Tätigkeit niemals langweilig wird.

Nachteile

  • Verpflichtung: “Selbst” und “ständig” sagen erfahrene Handwerker gern. Denn wer selbstständig arbeitet, kann Arbeit oftmals weder delegieren, noch verschieben. Je mehr Angestellte Du hast, desto geringer wird möglicherweise Deine eigene Arbeitslast, aber gerade in den ersten Jahren hast Du mehr als alle Hände voll zu tun, um Deinen Betrieb aufzubauen. Auch bei Familie, Freizeit und Freunden wirst Du Abstriche machen müssen, was nicht immer einfach ist.
  • Risiko: Als Selbstständige:r musst Du Dich darum kümmern, dass Dein Betrieb liquide ist, dass Du Durststecken abfedern kannst und auch bei etwaigen Schäden nicht vor dem finanziellen Ruin stehst.
  • Papierkram: Jeder Selbstständige muss Preise kalkulieren, Angebote und Rechnungen erstellen, sich um seine Buchhaltung kümmern, Umsatzsteuer anmelden und Steuerunterlagen korrekt bereitstellen. Damit Du nicht alles selbst bewältigen muss, kannst Du Dir Unterstützung von einer Steuerberatung suchen oder mit einem Kassensystem für Handwerker arbeiten.

Übrigens: Je nach Handwerksbranche kannst Du auch ein Reisegewerbe – also eine mobile Unternehmertätigkeit – gründen. So kannst Du unter Umständen Kosten und Risiken senken und bist insgesamt flexibler. Auch eine Geschäftsübernahme oder Gründung im Franchise kann gewisse Vorteile – aber auch andere Nachteile – mit sich bringen. 

Selbstständig im reglementierten Gewerbe

Wenn Du Dich im Handwerk selbstständig machst, musst Du – im Gegensatz zu den sogenannten freien Gewerben wie z.B. im Handel – zusätzlich zu den allgemeinen Voraussetzungen noch besondere Zugangsvoraussetzungen erfüllen: Daztu gehört der entsprechende Befähigungsnachweis bzw. ein rechtskräftiger Bescheid über das Vorliegen Deiner individuellen Befähigung und Zuverlässigkeit. 

Welcher Befähigungsnachweis in Deinem Wunschgewerbe zu erbringen ist, erfährst Du in der Gewerbeordnung sowie in der Befähigungsnachweisverordnungen der einzelnen reglementierten Gewerbe. Dort können – abhängig vom Handwerk – spezielle Prüfungen, schulische Ausbildungen, eine erfolgreich abgelegte Meisterprüfung sowie Praxiszeiten oder Kombinationen davon vorgeschrieben sein.



Von der Idee zur Planung

Wenn Du eine Selbstständigkeit anstrebst, sind folgende Fragen zu klären:

  • Besitzt Du die nötigen Qualifikationen?
  • Ist Deine Geschäftsidee erfolgversprechend?
  • Hast Du alle Informationen für einen Businessplan?
  • Kannst Du Fördermittel oder Kredite beantragen?

Anschließend kannst Du den Betrieb bei der Handwerkskammer (ggf. auch IHK) anmelden und in die Handwerksrolle eintragen lassen. Auch die Anmeldung beim Gewerbeamt und der zuständigen Berufsgenossenschaft kann nun erfolgen. Das Finanzamt wird sich danach ebenfalls bei Dir melden.

Businessplan im Handwerk erstellen

Bevor Du Dich selbstständig machst, musst Du wissen, was alles zur Existenzgründung dazugehört. Der Businessplan ist dabei ein unverzichtbarer Teil der Planung: Er dient dazu, Deine Idee zu konkretisieren sowie Investoren, Fördermittelstellen oder Kreditgeber zu überzeugen. In den ersten Jahren ist er überdies der “Fahrplan”, nach dem Du Dein Unternehmen führen kannst. Er umfasst

  • konkrete Geschäftsidee
  • erfüllte Anforderungen und Voraussetzungen
  • gewählte Rechtsform
  • Marktanalyse
  • Kapitalbedarfsplanung
  • Liquiditätsplanung
  • Rentabilitätsvorschau
  • Finanzierung und Förderung

Auch über Absicherung und Altersvorsorge solltest Du Dir Gedanken machen. Hier kannst Du Dir kompetente Hilfe suchen. Ein Existenzgründungsseminar ist keine Voraussetzung, um sich im Handwerk selbstständig zu machen, aber eine gute Möglichkeit, Dich gegen mögliche Stolperfallen abzusichern. Hier findest Du außerdem Tipps, wie Du typische Fehler im Businessplan vermeiden kannst.

Interesse wecken

Zuerst solltest Du möglichst schnell Interesse für Deine Geschäftsidee wecken: Fasse so kompakt wie möglich die wichtigsten Punkte zusammen und präsentiere Dein Konzept kurz und bündig. Was bietest Du? Was unterscheidet Deinen Betrieb von Mitbewerbern? Wo willst Du tätig sein? Wie viele Mitarbeiter wirst Du beschäftigen? Das sind die wichtigsten Fragen, die Deine Einleitung beantworten sollte. Erst danach gehst Du weiter ins Detail.

1. Dein Profil: Die Selbstbeschreibung

Stell Dir diesen Teil wie eine klassische Bewerbung vor: Hier geht es um Dich. Warum willst Du Dich als Handwerker selbstständig machen und welche Qualifikationen/Fähigkeiten werden Dir zum Erfolg verhelfen? Beschreibe Deinen Werdegang mit allen Fakten, die für Deinen zukünftigen Betrieb relevant sind (dazu gehören Ausbildung, Weiterbildungen, Meisterprüfung, Berufserfahrung und Führungsverantwortung).

2. Deine Geschäftsidee

An dieser Stelle kannst Du ausführlich vorstellen, welche Leistungen Du anbietest und wie deren Umsetzung konkret erfolgen soll. Besonders interessant sind hier auch die genauen Betriebsabläufe sowie die Umsetzung branchenspezifischer bzw. gesetzlicher Richtlinien (z.B. Hygienebestimmungen oder Gefahrgutlagerung). Auf welche Anforderungen Du speziell achten musst, erfährst Du bei der Handwerkskammer.

3. Marktanalyse: Wie stehen die Chancen für die Selbstständigkeit?

Bestimme als nächstes Deine realistischen Erfolgsaussichten für die Existenzgründung in Deiner Region. Folgende Fragen solltest Du klar beantworten können:

Wer ist Deine Zielgruppe?

  • Wen willst Du mit Deinen Leistungen ansprechen (Alter, Geschlecht, Intention)?
  • Wie viele Personen umfasst diese Gruppe?
  • Welche finanziellen Möglichkeiten haben diese Menschen?

Welcher Bedarf besteht für Deine Leistungen?

  • Welche Leistungen sind in der Region besonders gefragt?
  • Mit wie vielen Aufträgen könntest Du etwa rechnen?
  • Gibt es saisonale Unterschiede bei der Nachfrage?

Gegen welche Konkurrenz trittst Du an?

  • Welche direkten Mitbewerber gibt es?
  • Wie kannst Du Dich von ihnen unterscheiden?
  • Welcher Bedarf wird noch nicht von vorhandenen Betrieben abgedeckt?

4. Marketingmaßnahmen vorstellen

Ausgehend von Deiner Zielgruppenanalyse entwickelst Du in diesem Schritt ein schlüssiges Modell, um neue Kunden zu gewinnen, zu betreuen und langfristig an Deinen Betrieb zu binden.

Wie in jeder Branche nützt die beste Geschäftsidee nichts, wenn Du keine Kundschaft hast. Überlege also, wie Du einen Kundenstamm aufbauen kannst und welche Wege zur Kundenakquise sinnvoll sind. 

Dabei unterschieden sich die Anforderungen je nach Branche: Während Bäcker:innen und Friseur:innen von Stammkunden profitieren, brauchen Handwerker:innen im Bereich Sanierung und Reparatur immer wieder Neukunden – oder langfristige Wartungsverträge.

5. Rechtsform wählen

Welche Rechtsform soll Dein Betrieb haben? Hier spielt die Höhe des verfügbaren Stammkapitals und die Anzahl der Gründer ebenso eine Rolle wie die Frage, ob Du mit oder ohne Haftungsbeschränkung gründen willst. 

Die typischen Unternehmensformen im Handwerk sind:

Hier findest Du eine Übersicht zu möglichen Gesellschaftsformen.

6. Betriebsstruktur vorstellen

An dieser Stelle stellst Du Deine interne Organisationsstruktur vor. Dazu gehören Hierarchiestufen, Verantwortungsbereiche und Mitarbeiterzahlen.

7. Kapitalbedarf errechnen

Berechne mit realistischen Zahlen das benötigte Gesamtkapital für Deine Firmengründung. Dabei fließen sämtliche Kosten ein, die einmalig oder regelmäßig anfallen, wie z.B.

  • Anmeldung des Gewerbes
  • Genehmigungen
  • Investitionen in Maschinen, Fuhrpark, Werkstattausstattung etc.
  • Anschaffungskosten für Werkzeuge und Materialien
  • Kosten für Umbauten oder Renovierungen
  • Miete für Gewerberäume
  • Betriebskosten
  • Versicherungsbeiträge
  • Reserven für Reparatur und Instandhaltung
  • Kosten für Verbrauchsmaterialien
  • Ausgaben für Steuerberatung
  • Mitgliedschaftsbeiträge in der Berufsgenossenschaft
  • voraussichtliche Kreditzinsen und Abschlagszahlen

8. Finanzierung klären

In diesem Abschnitt beschreibst Du, wie Du das nötige Kapital aufbringen willst. Liste vorhandenes Eigenkapital auf und nenne angestrebte Kreditrahmen sowie mögliche Fördergelder. Dabei zählt erst einmal nicht, ob Kredite oder Subventionen bereits zugesagt sind – wichtig ist, dass Du alle Optionen zur Finanzierung kennst und – wenn möglich – nutzt. In unserem Blogbeitrag erfährst Du, welche Möglichkeiten zur Unternehmensfinanzierung Du in Erwägung ziehen kannst.

9. Rentabilität und Risikoanalyse

Berechne die voraussichtlichen Umsätze für die nächsten drei bis fünf Jahre und gib eine realistische Einschätzung, wann der Break-Even-Point – also der Gleichstand von Kosten und Einnahmen – erreicht werden kann.

Dazu gehört auch die Risikoanalyse: Liste die Stärken und Schwächen Deiner Geschäftsidee auf. Was unterscheidet Dich positiv von der Konkurrenz? Hast Du besondere Qualifikationen oder Leistungen anzubieten? Was unternimmst Du, wenn Aufträge ausbleiben? Was sind sonstige Schwachstellen und wie wirst Du diese ausgleichen? Beleuchte Herausforderungen und Gefahren und erkläre, wie Du diesen effektiv begegnen wirst.

Nötige Anmeldungen bei Selbstständigkeit im Handwerk

Je nach (Dienst-)Leistung Deiner Firma, musst Du ggf. bestimmte Kenntnisse und Zertifikate nachweisen – z.B. Gewerbeberechtigung und Gewerbeschein

Wenn alle Unterlagen inkl. Gewerbelizenz beisammen sind, kannst Du Dein Gewerbe beim zuständigen Gewerbeamt anmelden. Möglicherweise wird hier auch noch einmal Einblick in den Finanz- und Businessplan verlangt. Nach der Gewerbeanmeldung erhältst Du dann den Gewerbeschein, der die erfolgreiche Anmeldung bestätigt.

Das Finanzamt wird anschließend automatisch vom Gewerbeamt informiert: Die Unterlagen zur Erfassung Deine steuerlichen und persönlichen Verhältnisse erhältst Du also per Post und ohne weitere Schritte Deinerseits.

Als Gewerbetreibender bist Du zudem zur Mitgliedschaft bei der Handwerkskammer (HWK) verpflichtet.

Wichtig: Nicht für alle Tätigkeiten ist eine Gewerbeanmeldung nötig.

Als Einzelunternehmer:in mit einem Jahresumsatz unter 700.000 Euro kannst Du Dich zudem freiwillig ins Firmenbuch eintragen lassen – erst darüber hinaus wird der Eintrag verpflichtend. Generell einzutragen sind dagegen alle Kapitalgesellschaften (GmbH, AG), Personengesellschaften (OG, KG) und Genossenschaften.

Um den Betrieb aufzunehmen, musst Du Deinen Handwerksbetrieb auch bei den örtlichen Versorgern für Strom, Gas, Wasser, Müllabfuhr etc. anmelden.

Was kostet die Selbstständigkeit im Handwerk?

Hier musst Du mit zwei verschiedenen Kostenarten rechnen:

  • einmalige Gründungskosten z.B. für Gewerbeanmeldung und Eintrag in die Handwerksrolle bzw. Anschaffung nötiger Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und Werkzeuge
  • laufende Kosten wie z.B. Miete, Energiekosten, Versicherungsbeiträge, Mitgliedsbeiträge, Verbrauchsmaterial, Kosten für Reparaturen und Instandhaltung oder Steuerberatung

Je nach Handwerk und Region können diese Kosten stark variieren.

Wer unterstützt mich bei der Existenzgründung im Handwerk?

Beim Gründerservice der WKO kannst Du viele Informationen nachlesen, den Online-gründerguide nutzen oder Dich beraten lassen.

Absicherung nicht vergessen!

Bei der Gründung und im alltäglichen Betrieb bist Du als Selbständige:r deutlich mehr Risiken ausgesetzt als im Angestelltenverhältnis. Du solltest Dich also ausreichend absichern, denn eine Schadenersatzklage oder ein teurer Rechtsstreit könnten im schlimmsten Fall sonst sogar das Ende Deiner Existenz bedeuten. 

Aus betrieblicher Sicht ist es dabei wichtig, den tatsächlichen Versicherungsbedarf zu ermitteln. Je nach Branche können unterschiedliche Versicherungen notwendig sein. Dazu gehören etwa

  • Betriebshaftpflicht
  • Rechtsschutz
  • Inventar
  • Deine eigene Kranken- und Rentenversicherung. 

Viele Versicherungen oder -agenten bieten hier eine kostenlose Bedarfsanalyse an.

    Bist Du fleißiger Handwerker oder erfolgreicher Unternehmer?

    Als selbstständige:r Unternehmer:in brauchst Du einige Kompetenzen: 

    • Fachkenntnis und Qualifikationen
    • guter Überblick z.B. über Aufträge, Materialbeschaffung und Verwaltung/Buchhaltung 
    • Zukunftsorientierung und Marktübersicht
    • sicheres Auftreten und Führungsqualitäten
    • kaufmännische Fähigkeiten und Erfolgsorientierung
    • solides Startkapital
    • freundlicher, kompetenter Umgang mit Kunden

    Neben den handwerklichen Fertigkeiten sind die kaufmännischen Fähigkeiten besonders wichtig: Diese benötigst Du nicht nur, um den Businessplan inklusive Finanzplanung zu erstellen. Du brauchst sie auch für erfolgreiche Gespräche mit Handwerkskammern, Ämtern, Geldgebern und Kunden. 

    Auch ein gewisses Startkapital ist vorteilhaft. Denn im Unterschied zum Handel oder den meisten Dienstleistungen musst Du im Handwerk in Vorkasse gehen: Du erbringst zuerst die Leistung, stellst – danach oder abschnittweise – eine Rechnung und erhältst dann erst Dein Geld. Bei manchen Kunden musst Du obendrein lange warten, bis Rechnungen beglichen werden. Genügend Puffer zur Vorfinanzierung solltest Du also einplanen.

    Prüfe in jedem Fall ehrlich Deine Eignung zum selbstständigen Unternehmer – und such Dir kompetente Unterstützung durch Steuerberater:innen, die Handwerkskammer, Existenzgründundungsberater:innen oder Fortbildungen des Arbeitsamts.

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    Sabine Amler

    Senior Content Manager

    Als gelernte Buchhändlerin kennt Sabine beide Seiten der Ladentheke. Heute kümmert sie sich als Content Creator mit Erfahrung im Bereich SEO und Marketing um Website, Blog und Lexikon bei ready2order.

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