Einzelkosten

Synonyme: direkte, identifizierbare und spezifische Kosten

Was sind Einzelkosten? Einzelkosten entstehen im direkten Zusammenhang mit der Herstellung eines Produkts oder der Bereitstellung einer Dienstleistung. Sie bezeichnen in der Kostenrechnung die Kosten, die sich unmittelbar einem Kostenverursacher (Kostenstelle oder Kostenträger), zuordnen lassen. Das Gegenteil der Einzelkosten stellen die Gemeinkosten dar, sie sich keinem direkten Verursacher zuordnen lassen.

Einzelkosten und Verursachungsprinzip

Einzelkosten können im Unternehmen einem bestimmten Verursacher zugeordnet werden – dies und nichts anderes ist mit dem Begriff “Verursachungsprinzip” gemeint.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Zu den Einzelkosten zählen nämlich auch die Sondereinzelkosten, die sich meist nicht getreu dieses Prinzips einer einzelnen Kostenträgereinheit zurechnen lassen. Ein Beispiel für entsprechende Sondereinzelkosten der Fertigung sind z. B. die Kosten, die bei der Entwicklung des Prototyps eines neuen Produktes entstehen. Dennoch werden sie nicht den Gemeinkosten, sondern den Einzelkosten dieses Produkts zugerechnet.

Verursacher 1: Kostenträger

Der Begriff Kostenträger bezeichnet alle hergestellten Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens, deren Bereitstellung (Produktion, Materialankauf etc.) Kosten verursacht.

Verursacher 2: Kostenstellen

Kostenstellen sind Orte, an denen Kosten entstehen. Diese sind z. B. nach Verantwortungsbereichen/Abteilungen, räumlichen Gesichtspunkten oder Fertigungsschritten definiert.

Welche Arten von Einzelkosten gibt es?

Einzelkosten unterscheidet man nach

  • Materialeinzelkosten (z. B. Werkstoffkosten)
  • Fertigungseinzelkosten (z. B. Fertigungslohn)
  • Sondereinzelkosten der Fertigung
  • Sondereinzelkosten des Vertriebs

Was sind Materialeinzelkosten (MEK)?

Unter Materialkosten fallen alle Aufwendungen für Rohstoffe oder Einzelteile, die für die Herstellung eines bestimmten Produkts oder das Bereitstellen einer bestimmten Dienstleistung unmittelbar nötig sind. Diese Kosten erfasst das Controlling in der Regel über sogenannte Materialentnahmescheine.

Was sind Fertigungseinzelkosten (FEK)?

Die Fertigungseinzelkosten bezeichnen die bei der Produktion eines Artikels oder der Erbringung einer Dienstleistung anfallenden Lohnkosten.

Was sind Sondereinzelkosten der Fertigung?

Zu den Sondereinzelkosten der Fertigung – auch Fertigungssonderkosten genannt – zählen die bei der Herstellung auftrags- oder chargenweise zu erfassenden Kosten. Sprich: Sie entstehen nicht direkt durch die Herstellung eines einzelnen Teils, sondern durch Anfertigung der gesamten Stückzahl.

Dazu gehören etwa die Kosten für Werkzeuge, für Lizenzgebühren, für Materialanalysen, für Gussformen oder extra angefertigte Modelle. 

Was sind Sondereinzelkosten des Vertriebs?

Bei den Sondereinzelkosten des Vertriebs handelt es sich um die Kosten, die mit dem Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen im Zusammenhang stehen. Sie lassen sich ebenfalls nicht einem einzelnen Teil oder Vorgang zuordnen, sondern fallen wie oben beschrieben auftrags- oder chargenweise im Vertriebsbereich des Unternehmens an. Beispiele für auch als Vertriebssonderkosten bezeichnete Kosten sind etwa spezielle Verpackungen, Zollgebühren, Ausgangsfrachten und Provisionen. 

Welche Bedeutung haben Einzelkosten bei der Kalkulation?

Die Einzelkosten als direkte Kosten sind Grundlagen der Vollkostenrechnung, bei der sämtliche Kosten auf den zugehörigen Kostenträger verrechnet werden. Damit sind sie äußerst wichtig für eine korrekte betriebliche Kalkulation.

Außerdem lassen sich die Einzelkosten von den für bestimmte Kostenstellen zuständigen Angestellten oft relativ einfach beeinflussen – es handelt sich also um variable Kosten. Hier zwei Beispiele:

  • Materialeinzelkosten können durch günstigeren Einkauf oder ggf. auch die Verwendung anderer Rohstoffe oder Rohstoffzusammensetzungen beeinflusst werden.
  • Materialeinzelkosten lassen sich auch senken, indem die Mitarbeiter:innen bewusster mit Rohstoffen umgehen, Verschnitt vermeiden oder vermeintlichen Abfall wie Gemüsereste noch einmal für den Ansatz einer Gemüsebrühe nutzen.

Einzelkosten und Gemeinkosten: Was sind die Unterschiede? 

Gemeinkosten und Einzelkosten zusammen ergeben die Gesamtkosten für ein Produkt oder eine Dienstleistung. 

Der wichtigste Unterschied zwischen Einzelkosten und Gemeinkosten ist, ob die betreffenden Kosten direkt einem bestimmten Kostenträger oder einer bestimmten Kostenstelle zugeordnet werden können. Bei Gemeinkosten ist diese direkte Zurechenbarkeit im Gegensatz zu den Einzelkosten nicht möglich: Gemeinkosten sind zum Beispiel Kosten für Maschinen, Strom, Miete oder den firmeneigenen Fuhrpark.

Anders als die Einzelkosten, welche unmittelbar zugerechnet werden, können die Gemeinkosten den Kostenträgern nur mithilfe von Zuschlagssätzen zugerechnet werden. 

Je nach Perspektive können gewisse Kosten sowohl als Einzelkosten wie auch als Gemeinkosten betrachtet werden. 

Beispiel: Durch Miete oder Beheizen eines Raums entstehen Kosten. Ist der entsprechende Raum der Verwaltung zuzuordnen, entstehen dabei Gemeinkosten. Gehört der entsprechende Raum jedoch zur Fertigung und wird dort ein bestimmtes Teil hergestellt, sind die Kosten den Einzelkosten zugeordnet. 

Variable und fixe Kosten

Die Einzelkosten sind stets variable Kosten, da sie sich mit der Produktionsleistung bzw. der Auslastung des Betriebs verändern. Umgekehrt gilt dies jedoch nicht: Nicht alle variablen Kosten sind auch gleichzeitig Einzelkosten.

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