Rechtliches

Einwegplastikverbot – Das sind die Alternativen für den Handel

Von Marlene Schulze | Zuletzt aktualisiert: 8.17.2021

Seit dem 3. Juli 2021 gilt EU-weit das Verbot von Einwegplastik auch für den Handel. Das neue Gesetz betrifft hier insbesondere

  • Tragetaschen, Beutel und Verpackungen
  • Haltestäbe für Luftballons
  • Wattestäbchen aus Plastik
  • Einweg-Plastikteller 
  • Einwegbesteck aus Kunststoff (Löffel, Gabeln, Messer und Essstäbchen)
  • Fast-Food-Behälter aus expandiertem Polystyrol
  • Strohhalme aus Plastik

Das Verbot ist ein wichtiger Schritt in Richtung Umweltschutz – doch was bedeutet das nun für alle, die in ihren Geschäften Einwegplastik verkaufen und nutzen? Wir erklären, was mit dem vorhandenen Material in den Lagern passiert, welche Alternativen es gibt und warum das Gesetz beschlossen wurde.

Was mache ich mit vorhandenem Einwegplastik?

Die vorhandenen Restbestände dürfen sowohl vom Handel als auch in der Gastronomie aufgebraucht werden. Das Einwegplastik darf also weiterhin verkauft und als Tüte zum Einpacken genutzt werden. Dies gilt, bis alle Bestände aufgebraucht sind. Bei einigen Verpackungen wird zukünftig außerdem eine Kennzeichnung eingeführt, anhand der die Nutzungsdauer erkennbar ist bzw. wie nachhaltig die jeweilige Verpackung ist.

Was sind die Alternativen zum Einwegplastik?

In Supermärkten und Geschäften sind nicht nur Plastiktüten als Verpackungsmaterial ein Thema: In der Abteilung Party- und Grillbedarf finden sich natürlich auch Einweggeschirr und -besteck auf Kunststoff, Plastikstrohhalme und mehr. Aber da gibt es auch andere Möglichkeiten. Hier sind die Alternativen zu den gängigen Produkten:

Das geht nicht mehr:

Das geht besser:

Tüten aus Plastik 

Papiertüten

 mehrfach wiederverwendbare Tragetaschen 

Einwegboxen aus Styropor

Mehrwegdose aus Edelstahl, Glas oder Polypropylen

✓  Verpackungen aus Bagasse oder Pappe

Plastikbesteck

Mehrwegbesteck, z.B. aus Edelstahl

 Einwegbesteck aus Holz

Plastikteller

Pappteller mit Plastikbeschichtung

✓  Mehrwegteller aus Porzellan oder Kunststoff (z.B. Polypropylen)

✓  Einwegteller aus Bagasse (Überrest der Rohrzuckerproduktion) oder Palmblättern 

✓  Pappteller ohne Beschichtung 

Plastiktrinkhalme

Mehrwegtrinkhalme aus Glas, Edelstahl oder Silikon

Hohle Gräser oder Makkaroni-Nudeln

✓  Trinkhalme aus Papier oder Apfeltrester

Styroporbecher 

✓  Mehrwegbecher aus Edelstahl, Glas (mit bruchfester Hülle) oder Polypropylen

Einwegbecher aus Bagasse (Zuckerrohr) oder Pappe

Warum gibt es das Verbot von Einwegplastik? 

Beim Plastikverbot geht es um Umwelt- und Klimaschutz. Seit September 2018 bemüht sich die EU um eine umfassende Strategie in diesem Bereich: Anders gesagt, sie will es nicht länger nur den Endverbraucher:innen und ihrem bewussten Konsum überlassen, durch Plastikverzicht gegen die Verschmutzung der Meere und Böden durch Mikroplastik vorzugehen.

Doch wie wirken sich die Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung von Plastik auf die Umwelt aus? Jedes Jahr gelangen auch viele Millionen Tonnen Plastikmüll in Meere und Ozeane: Das hat schlimme Folgen für alle Lebewesen im Wasser, aber auch für uns Menschen. Da Meerestiere, die einer hohen Belastung durch Mikroplastik ausgeliefert sind, weiterhin von Menschen konsumiert werden, entsteht ein schädlicher Kreislauf, der die Plastikpartikel immer weiter in Umlauf bringt. Und auch im Boden sind mittlerweile beängstigende Mengen an Mikroplastik zu finden. 

Außerdem spielt der hohe CO2- Ausstoß der Plastikbranche eine entscheidende Rolle in der Beschleunigung der Klimakrise: Die Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlichte im “Plastikatlas 2019” eine CO2-Bilanz für die weltweite Plastikherstellung, -verarbeitung und -entsorgung im Jahr 2015. Das Ergebnis von 1.781 Millionen Tonnen CO2 entsprach dabei in etwa dem gesamten CO2-Ausstoß durch Energieversorgung und Landwirtschaft in der EU im Jahr zuvor..

Doch woher stammt dieser ganze Müll überhaupt? Der größte Teil der Plastikproduktion wird in den EU-Mitgliedsstaaten für Verpackungsmaterialien genutzt. Verpackungen in Handel und Gastronomie machen rund 40% des Materials aus – und das ist mehr als für Kraftfahrzeuge, Bauwesen und Elektrogeräte zusammen. 

Ein Großteil der Verpackungen wird dabei nur einmal verwendet und wandert anschließend in die Mülltonne: Greenpeace veröffentlichte in einer Studie, dass in Österreich im Jahr 2016 42 Kilogramm Plastikabfall pro Kopf entstanden ist. Diese Menge wurde dann mit weiteren hunderttausenden Tonnen Müll in andere Länder exportiert, wo durch die Entsorgung des Abfalls wiederum massive Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt drohten.

Diesem Teufelskreis soll mit dem neuen Verbot Einhalt geboten werden. Doch damit ist noch nicht genug getan.

Welche Maßnahmen soll es außerdem geben?

Das Europäische Parlament stimmte bereits 2015 für eine Beschränkung des Gebrauchs von Plastiktüten in der EU. Nun folgte das Verbot für Einwegplastik in Gastronomie und Handel. In der Planung befinden sich außerdem

  • Verbot von Mikroplastik in Produkten wie Kosmetika und Reinigungsmitteln
  • Maßnahmen, um die Freisetzung von Mikroplastik aus Reifen, Farben, Textilien und Zigarettenkippen zu minimieren

Frédérique Ries, die Stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Renew Europe, äußert sich dazu wie folgt: „Diese Rechtsvorschriften [zum Einwegplastik, Anm. d. Red.] werden die Kosten von Umweltschäden um 22 Milliarden Euro senken. Das sind die geschätzten Kosten der Umweltverschmutzung durch Plastik in Europa bis 2030. Europa verfügt nun über einen Rechtsrahmen, den es angesichts des globalen Charakters des Problems der Meeresverschmutzung durch Kunststoffe auf internationaler Ebene zu verteidigen und zu fördern gilt."

Ein kleiner Schritt mit viel Effekt

Auch wenn das künstliche Material allgegenwärtig ist: Plastik ist längst nicht die einzige Option, um Produkte ansprechend zu verpacken und zu transportieren – im Gegenteil. Mit Bambus, Zuckerrohr und Mehrweg bieten sich viele umweltfreundliche Alternativen, die Du in Deinem Geschäft nutzen und zum Verkauf anbieten kannst. Neue, hochwertigere Transporttaschen und Behälter erhöhen dabei sogar die Qualität Deines Angebotes. Sei also kreativ und nutze das neue Gesetz als einen Vorteil, um Deine Kunden mit cleveren Konzepten von Dir zu überzeugen

Marlene Schulze

Content Redakteurin

Die Philosophiestudentin ist seit Januar 2021 Teil der Content-Redaktion von ready2order in Berlin.